Er sprach über das Thema „Eucharistische Weltkongresse. Zukunft und globale Dimension". Piero Marini hat in seinem wissenschaftlichen und pastoralliturgischen Wirken entscheidend dazu beigetragen, dass die Ziele der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Weltkirche erreicht wurden.
Wir veröffentlichen sein auf Italienisch gehaltenes Referat in den kommenden Tagen als Serie in der vom Autor zu Verfügung gestellten deutschen Übersetzung.Der erste Teil: "Von Lille 1881 bis München 1960" erschien am 21. Juli 2010. Der zweite, "Die Verflechtung mit der liturgischen Bewegung", erschien am 22. Juli 2010. Der drittel Teil "Eine Statio weltweit" (3) wurde vergangenen Freitag veröffentlicht.
* * *4. Aktualität der Eucharistischen Kongresse
Die neuen theologischen Argumente der Kongresse, die in München zutage getreten sind, griff man zum großen Teil in De sacra communione et cultu mysterii eucharistici extra Missam auf, das am 21. Juni 1973 erlassen wurde und die Betrachtung der eucharistischen Verehrung nach den Prinzipien des II. Vatikanums erneuerte.
Im Zentrum des Kongresses steht nun die eucharistische Feier, und alle Andachtsformen, die traditionell diese Frömmigkeitsform kennzeichnen (Anbetung außerhalb der Messe, Prozession ...), müssen auf diese Bezug nehmen.
Das Hauptkriterium aus dem Rituale verdeutlicht dies: „Die eucharistische Feier sei das tatsächliche Zentrum und der Höhepunkt der verschiedenen Frömmigkeitsformen." (Nr. 111) Natürlich sollen alle pastoralen und katechetischen Aktivitäten, die ebenfalls zum Kongress gehören, wie etwa die verschiedenen Feiern des Gottesworts, die Studiensitzungen zur Katechese, die Vollversammlungen, „ so organisiert sein, dass sie das vorgeschlagene Thema vertiefen und die praktischen Aspekte des Themas selbst verdeutlichen, um so zu einer konkreten Umsetzung zu gelangen. "
Vor allem „ eine intensivere Katechese zur Eucharistie, insofern als diese Mysterium des lebendigen und in der Kirche wirkenden Christus ist; eine solche Katechese muss der Aufnahmefähigkeit verschiedener Kreise entsprechen"
Des Weiteren wird eine „aktivere Teilnahme an der heiligen Liturgie " hervorgehoben, „die das religiöse Hören des Gotteswortes und den geschwisterlichen Sinn der Gemeinschaft fördern soll", und im Anschluss erinnert das Rituale daran, dass die übrigen Dimensionen des Sakraments, die der Feier entspringen, nicht vernachlässigt werden dürfen. Deshalb muss der Eucharistische Kongress schon in seiner Vorbereitungsphase ein "angemessenes Programm von Gebetsversammlungen und lange währenden Anbetungen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten in bestimmten, für diese Frömmigkeitsübung geeigneten Kirchen" (Nr. 112) festlegen.
Wenn man all dies voraussetzt, welche Aufgabe bleibt dann den internationalen oder nationalen Eucharistischen Kongressen heute noch?
4.1 Die Eucharistie im Herzen der Kirche und der Welt
Die internationalen Eucharistischen Kongresse waren fast ein Jahrhundert lang der einzige Ausdruck des „pilgernden Lehramts" der Kirche. Durch sie vereinte man ungeheure Menschenmengen über die Kontinente hinweg. Sie pilgerten von einem Kontinent zum anderen, immer auf die Eucharistie ausgerichtet.
Heute ist dieses „pilgernde Lehramt" noch erweitert um di Weltjugendtage, die Tage der Familie, der Kranken usw. Dennoch bleibt es notwendiger denn je, dass die Eucharistischen Kongresse in ihrer erneuerten Gestalt als statio orbis weiterhin Zeugnis davon geben, dass die Eucharistie Lebensquelle der Kirche, und der unverzichtbare Höhepunkt jedes christlichen Lebenswegs ist.
Außerdem zeigen die Handlungen, die kennzeichnend für jeden Eucharistischen Kongress sind, einer zunehmend globalisierten und miteinander verbundenen Welt das Herz des Glaubens selbst: den auferstandenen Christus, der die Gläubigen in die Dynamik seines Pascha einbezieht und sie in wunderbarer Gemeinschaft mit dem Vater im Innern einer geschwisterlichen Gemeinschaft verbindet.
4.2 Die Verbindung zwischen Eucharistie und „Neu-Evangelisierung"
Aufgabe der Eucharistischen Kongresse ist es, einen eigenen Beitrag zur neuen Evangelisierung zu leisten, aber mit ihren eigenen Mitteln. In diesem Sinne kann der programmatische Ausdruck von der „Neu-Evangelisierung" nichts anderes bezeichnen als, in diesem Fall, die mystagogische Evangelisierung, also jene, die sich in der Gebetsschule der Kirche vollzieht; die Evangelisierung ausgehend von der Liturgie und durch die Liturgie. Aber jeder Kongress trägt in sich auch de Hauch der Evangelisierung in einem engeren missionarischen Sinne, und das schon seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als in der Zeit des Pontifikats Pius' XI. die Eucharistischen Kongresse zahlreiche Teilkirchen der fünf Kontinente mit einbezogen. Seitdem ist das Binom der „evangelisierenden Eucharistiemission" zu einem festen Bestandteil der Leitlinien geworden, die der Heilige Stuhl durch das päpstliche Komitee empfiehlt. Das eucharistische Mahl stellt so das Zentrum dar, von dem aus die „Hefe des Evangeliums" Verbreitung findet; es wird zur treibenden Kraft für die Errichtung der menschlichen Gesellschaft und zum Pfand für das kommende Reich.
Die Kongresse führen die heilbringende Dimension der Eucharistie in die umfassende Realität der modernen Welt und in die Vielfalt der Kulturen ein: „ Die Gläubigen sind dazu aufgefordert, Bewusstsein davon zu erlangen, dass eine wahrhaft eucharistische Kirche eine missionarische Kirche ist. Und in der Tat ist die Eucharistie Quelle der Mission. Die eucharistische Begegnung ... erweckt im Jünger den entschiedenen Willen, anderen mutig zu verkünden, was er gehört und erlebt hat, um auch sie zu der gleichen Begegnung mit Christus zu führen. Auf diese Weise öffnet sich der von der Kirche gesandte Jünger einer Mission, die keine Grenzen kennt."
So verdeutlicht der sichtbare Aspekt der Kongressgemeinschaft, der seinen Ausdruck in der Feier findet, die Notwendigkeit, dass die Eucharistie regelmäßig empor gehoben werden soll wie „ein Banner für die Völker, die sehnsüchtig auf der Suche sind" (Jes 11,10), dass sie eine angemessene Antwort auf den Durst nach Wahrheit, nach Erneuerung und Leben bietet, den jeder Mensch im Herzen trägt. Und das gilt nicht nur in den Ländern, die traditionell Ziel missionarischer Tätigkeit sind, sondern auch in den Ländern der frühen Evangelisierung. Man denke beispielsweise an den europäischen Kontinent, wo die Völker seit Jahrhunderten von christlicher Kultur geprägt sind, heute aber eine zunehmende Entfernung von Glaubenswerten erfahren, eine Entfernung von den gemeinsamen Wurzeln des Christentums und einen immer größeren Bruch zwischen Evangelium und Kultur. Die Inkulturation des Glaubens wird zu einem der konstituierenden Elemente der Neu-Evangelisierung, mit der Christus und sein Evangelium wieder in den Mittelpunkt gerückt werden sollen, damit die Kirche ihrer Mission treu bleibe und weiterhin Same für die Zukunft und das Leben sei. Schließlich können die Eucharistischen Kongresse auch zu einem geeigneten Ort für eine bessere und achtsamere Verbindung zwischen Eucharistie und Evangelisierung werden, oder anders gesagt, zwischen der zur eucharistischen Versammlung einberufenen Kirche und der ihr von Christus selbst anvertrauten Mission, das Evangelium vom Reich Gottes zu verkünden. „Es ist offenkundig, dass nur ein Volk Gottes, das sich in Einheit und Einigkeit sammeln ließ, in der Lage ist, die Welt zu überzeugen."
Angesichts des dritten Jahrtausends war die Neu-Evangelisierung eine ständige Herausforderung für die Eucharistischen Kongresse und wird es weiterhin sein. Die Kongresse helfen dabei, den Empfang und die Feier der Eucharistie in eine Kraft zu verwandeln, die das Herz des Einzelnen und die Gesellschaft verändern sowie eine Kultur der Geschwisterlichkeit schaffen kann. Deshalb muss in der Dynamik der Kongresse deutlich zu Tage treten, dass die Eucharistie in den Mittelpunkt gestellt wird, um das christliche Leben und das gemeinsame Engagement in der Verbreitung des Evangeliums zu formen.
















