MÜNCHEN, 27. Juli 2010 (ZENIT.org).- Vor 50 Jahren, vom 31. Juli bis 7. August 1960, fand in München der 37. Eucharistische Weltkongress statt. Mit einem Vortrags- und Gesprächsforum, zu dem die Katholische Akademie Bayern gemeinsam mit der Erzdiözese München und Freising eingeladen hatte, kam als Hauptreferent Erzbischof Piero Marini, Präsident des Päpstlichen Komitees für die Eucharistischen Kongresse.
Er sprach über das Thema „Eucharistische Weltkongresse. Zukunft und globale Dimension". Piero Marini hat in seinem wissenschaftlichen und pastoralliturgischen Wirken entscheidend dazu beigetragen, dass die Ziele der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Weltkirche erreicht wurden.
Wir veröffentlichen sein auf Italienisch gehaltenes Referat in den kommenden Tagen als Serie in der vom Autor zu Verfügung gestellten deutschen Übersetzung.Der erste Teil: "Von Lille 1881 bis München 1960" (1) erschien am 21. Juli 2010. Der zweite, "Die Verflechtung mit der liturgischen Bewegung"(2), erschien am 22. Juli 2010. Der dritte Teil "Eine Statio weltweit" (3) wurde vergangenen Freitag veröffentlicht.Gestern veröffentlichten wir das Thema: "Eucharistie und Neu-Evangelisierung" (4)
* * *
4.3 Eucharistie und Ökumene
Innerhalb dieser missionarisch-evangelisierenden Perspektive nimmt auch das ökumenische Engagement größere Bedeutung an. In den Kirchen der frühen Evangelisierung ist dieses Engagement immer ein wenig an den Rand gedrängt worden, sei es aus soziologischen, ideologischen oder apologetischen Gründen. Die ersten 37 internationalen Eucharistischen Kongresse haben sich nie mit dem Thema der Ökumene auseinander gesetzt.
Eine Ausnahme stellt -jedoch nur zum Teil und auch mit anderer Akzentsetzung als heute - der Kongress von Jerusalem 1893 dar. Heute aber ist es nicht mehr möglich, die wesentliche Verbindung von Eucharistie und Gemeinschaft der Kirchen außer Acht zu lassen. Und in der Tat, wenn die Eucharistie ihrem Wesen nach die forma ecclesiae zum Ausdruck bringt und verwirklicht, dann stellt sie nicht nur den Zweck, sondern auch Weg und Mittel zur Erlangung der sichtbaren Gemeinschaft der christlichen Kirchen dar.
Interessant ist es beispielsweise auch, daran zu erinnern, dass die Einfuhrung der neuen eucharistischen Gebete ins Missale Romanum mit ihren Wandlungsepiklesen die theologische Annäherung an die orthodoxen Brüder erleichtert hat; ebenso hat die Aufmerksamkeit, die dem Wort Gottes im christlichen Gottesdienst geschenkt wurde, zur mittlerweile normal gewordenen Anwesenheit reformierter Kirchen Vertreter seit dem Ende der siebziger Jahre bei den Eucharistischen Kongressen geführt.
In den letzten Jahren hat man sich bei den Kongresskonferenzen offen mit den Problemen in den ökumenischen Beziehungen befasst, einschließlich des Problems der Interkommunion. In München dann wurden die ökumenischen Beziehungen voll und ganz in die Eucharistischen Kongresse einbezogen. Es war die Zeit, in der die Vorbereitungen auf das Konzil den seligen Johannes XXIII. zur Schaffung eines „Sekretariats zur Förderung der Einheit der Christen" veranlasst hatten. Seit damals sind in der ekklesiologischen Perspektive des II. Vatikanums die Bemühungen um die Einheit der Christen integrierender Teil des Weges der Kirche geworden, und insofern auch Teil der Eucharistischen Kongresse.
Natürlich hängen die ökumenischen und interreligiösen Beziehungen jedes Kongresses von den Besonderheiten des jeweiligen Landes ab, vom sozio-kulturellen Umfeld und von den Umständen, unter denen der Kongress stattfindet. All das bedeutet, dass man bei der Feier der statio orbis die große Herausforderung der eucharistischen Ekklesiologie annimmt, die Wiederherstellung des rechten Verhältnisses von Eucharistie und Kirche, so wie der Apostel Paulus es wunderbar im ersten Korintherbrief 14 ausgedrückt hat (Kor 11, 18-29).
Der Apostel sagt darin, während er weitergibt „was er empfangen hat", dass Spaltungen (SCHISMATA) und Teilungen (AIRESEIS) es nicht mehr zulassen „den Leib des Herrn zu erkennen " oder besser gesagt, den „Leib " der zugleich kirchlich und eucharistisch ist, wodurch die Einheit des Neuen Bundes gefährdet würde. So feierte man nicht mehr das Mahl des auferstandenen Herrn (KYRIAKON DEIPNON), sondern das eigene Mahl (IDION DEIPNON) und zerstörte so das Wesen selbst des eucharistischen „Gedächtnisses".
In jüngerer Zeit kam zum Engagement für die Ökumene noch der interreligiöse Dialog, geprägt vom „Geist von Assisi" hinzu - besonders bei den Kongressen in Bombay (1964) und Seoul (1989) : Die Einladung zum Lob, das dem Glauben an den Schöpfergott entspringt; die Ermahnung zum Frieden als universelles Streben des menschlichen Geistes nach Gerechtigkeit. Die Eucharistie hilft dem Christen, der Geschichte und ihren Problemen nicht zu entfliehen, sondern der Realität mit der Kraft zu begegnen, die dem Pascha Christi entspringt: „Der religiöse Mensch weiß, dass er angesichts der Verlockungen des Bösen auf Gott zählen kann, den absoluten Willen des Guten ... um den Mut zu erlangen, auch den härtesten Schwierigkeiten mit persönlicher Verantwortung zu begegnen, ohne Fatalismen oder impulsiven Reaktionen zu erliegen." Um es zusammenzufassen: Es geht darum, die Eucharistie in die pastorale Wirklichkeit zu übersetzen, als Sakrament der Gemeinschaft für die Kirche und als Kraft für die Rettung der Welt.
















