ZG10072806 - 28.07.2010
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Der neue Ökumene-Mann an der Seite von Papst Benedikt XVI.: Erzbischof Kurt Koch


Ohne Wahrheit - keine Ökumene


Von Armin Schwibach

ROM, 28. Juli 2010 (ZENIT.org).- Kurz vor Beginn der Sommerpause ernannte Papst Benedikt XVI. den Baseler Bischof Kurt Koch zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und erhob ihn zum Erzbischof „ad personam". Der 60jährige Schweizer Würdenträger hat sein Amt als Nachfolger des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper angetreten, der dieses seit 2001 inne hatte.

Die Anfänge dieses Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen gehen auf das Zweite Vatikanische Konzil zurück. Papst Johannes XXIII. schuf 1960 ein „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen". Es war das erste Mal, dass der Heilige Stuhl ein Amt errichtete, das ausschließlich ökumenische Fragen behandeln sollte. 1989 gestaltete Papst Johannes Paul II. das Sekretariat zum „Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen" um. Der Rat ist auch für den Dialog mit dem Judentum zuständig.

Kurt Koch wurde am 15. März 1950 in Emmenbrücke, Kanton Luzern, geboren. Er absolvierte seine theologischen Studien an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Universität Luzern. 1975 schloss er diese mit dem Diplom ab. Nach einer Zeit als Laientheologe trat er in das Priesterseminar ein und wurde am 20. Juni 1982 zum Priester geweiht. Die nachfolgenden drei Jahre wirkte Koch als Kaplan in Bern.

1986 wurde er als Dozent für Dogmatik und Moraltheologie an das Katechetische Institut von Luzern berufen. 1987 folgte die Promotion in Theologie. Nach seiner Habilitation im Jahr 1989 arbeitete Koch als Honorarprofessor für Dogmatik, Ethik, Liturgiewissenschaft und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern.

Papst Johannes Paul II. ernannte Kurt Koch zum Nachfolger von Hansjörg Vogel als Bischof von Basel. Am 6. Januar 1996 spendete ihm der Papst die Bischofsweihe. Die Amtseinführung erfolgte am 23. Februar 1996 in Solothurn. Als Motto auf seinem Bischofswappen wählte Koch die Worte des heiligen Paulus aus dem Brief an die Kolosser: „Christus hat in allem den Vorrang".

Von 2007 bis 2009 war Kurt Koch als Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz tätig. Der neue Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist der Verfasser von über 60 Büchern und trat immer wieder durch seine Wortmeldungen zur Ökumene hervor.

Auch im Frühjahr 2006 hatte Bischof Koch nicht gezögert, sich in die damals entstandenen Polemiken gegen den Papst und die Kirche (ZENIT berichtete) einzuschalten, als die Rücknahme der Exkommunikation der vier unrechtmäßig geweihten Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu vielen verfälschenden Darstellungen der Sachlage sowie zu heftigen Angriffen gegen Papst Benedikt XVI. geführt hatten.

Dem Schaffen des Erzbischofs kann eine breit angelegte Übereinstimmung mit der Sicht von Ökumene entnommen werden, wie diese Papst Benedikt XVI. in den vergangenen Jahren seines Pontifikats und Joseph Ratzinger als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre erkennen ließen. Diese kann schlagwortartig als „Ökumene in der Dimension der Wahrheit" gegen eine „Kompromissökumene des pluralistischen Dialogisierens" zusammengefasst werden. Sowohl für den Papst als auch für Erzbischof Koch kann es zu einem ökumenischen Dialog nur unter der Voraussetzung der Erarbeitung einer auf die Wahrheit ausgerichteten Ekklesiologie kommen. Dabei spielt die Rolle des Petrusdienstes eine entscheidende Rolle, wie dies in der jüngsten Zeit in besonderer Weise durch die Arbeiten der gemischten Dialogkommission zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen zutage getreten ist: Es kann keine sichtbare Einheit unter den Christen der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften geben, solange diese zu keiner Einigkeit gelangt sind, wie die eine Kirche geleitet werden soll.

Eines der Grundfeste für die Ökumene ist die im Jahr 2000 veröffentlichte Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre „Über die Einzigartigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche" mit dem Titel Dominus Iesus. Mitten im Heiligen Jahr sollte dieses Dokument das christliche Bekenntnis zur Einzigartigkeit Jesu Christi vertiefen und dieses damit als zentrales ökumenisches Anliegen betonen. Sieben Jahre später veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre dann die Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche (29.6.2007). Die „Antworten" können als offizieller Kommentar zum wesentlichen Punkt des Dokuments des Jahres 2000 gewertet werden.

Erzbischof Koch erläuterte seinerseits im Juli 2007 die „Antworten" und hob hervor, „dass das Zweite Vatikanische Konzil keine neue Lehre über die Kirche entwickelt hat, sondern die von der Tradition überkommene Lehre entfalten und vertiefen wollte", und setzte sich mit der Aussage auseinander, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche „subsistiert" („subsistit - verwirklicht ist). Es gehe damit der Kongregation wie bereits in „Dominus Iesus" um die „strikt theologische Frage nach dem eigentlichen Wesen der Kirche", woraus die Erkenntnis erwachse, dass die protestantischen Gemeinschaften dieses Wesen nicht voll verwirklichten. Diese könnten „aufgrund des Fehlens der apostolischen Sukzession im Weiheamt und der vollen Fülle des eucharistischen Geheimnisses nicht ‚Kirchen im eigentlichen Sinne' genannt werden".

Die katholische Kirche sieht sich laut Erzbischof Koch zu dieser Aussage veranlasst, „weil sie nicht auf der einen Seite die Glaubensüberzeugung vertreten kann, dass das eucharistische Geheimnis und die apostolische Sukzession zum Wesen der Kirche Jesu Christi gehören, und auf der anderen Seite zugleich urteilen könnte, dass kirchliche Gemeinschaften, die eben diese Wirklichkeiten nicht, zumindest nicht im gleichen Sinn, zum unaufgebbaren Wesen der Kirche zählen, dennoch im gleichen Sinn als Kirchen anerkannt werden können".

Es ergebe sich die Frage, ob es angesichts einer Vielzahl von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in der geschichtlichen Wirklichkeit die eine Kirche Jesu Christi als konkretes Subjekt überhaupt gebe. Davon sei die katholische Kirche überzeugt und könne das Wirklichsein von Kirche daher nur von sich selbst anerkennen. Für die katholische Kirche bestehe Einheit nie in einer Summe von Teilen, womit für sie eine „pluralistische Sicht der Einheit der Kirche" unmöglich sei.

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