ROM, 30. August 2010 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. gestern, Sonntag, vor dem Angelusgebet in Castel Gandolfo gehalten hat. Am Mittwoch, den 1. September, wird der „Tag zur Bewahrung der Schöpfung" begangen. Aus diesem Anlass richtete Papst Benedikt XVI. nach dem gestrigen Angelusgebet neuerlich einen eindringlichen Appell.
„Dieser Gedenktag ist auch für die Ökumene wichtig. In diesem Jahr wird uns daran erinnert, dass es keinen Frieden geben kann ohne den Respekt gegenüber der Natur. Wir haben nämlich die Pflicht, den künftigen Generationen eine unversehrte Erde zu überlassen, damit auch sie würdig darauf leben und sie bewahren können. Der Herr möge uns in dieser Aufgabe beistehen."
Wir veröffentlichen die vollständige Ansprache des Papstes:
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Liebe Brüder und Schwestern,
in diesem Evangelium des heutigen Sonntags (Lk 14,1.7-14), finden wir Jesus als Gast im Haus eines Leiters der Pharisäer. Angesichts der Tatsache, dass einige Gäste die ersten Plätze an der Tafel eingenommen hatten, erzählte er ein Gleichnis, das von einem Hochzeitsfest handelt. "Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! ...Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz;
Der Herr hat nicht die Absicht, eine Lektion in Sachen Manieren zu geben, noch über die Rangordnung verschiedener Autoritäten. Er unterstreicht vielmehr einen entscheidenden Punkt, den der Demut: "Wer sich selbst erhöht wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden" (Lk 14.11). Dieses Gleichnis hat auch eine tiefere Bedeutung für das Verhältnis den Menschen zu Gott. Der "letzte Platz" kann in der Tat den Zustand der gebrochenen Menschheit durch die Sünde darstellen, ein Zustand, aus dem sie nur die Menschwerdung des Sohnes herausholen kann.
So hat Christus selbst "den letzten Platz in der Welt eingenommen, das Kreuz, und mit dieser radikalen Demut hat er uns erlöst und hilft uns fortwährend" (Deus caritas est, 35).
Am Ende des Gleichnisses schlägt Jesus dem Leiter der Pharisäer vor, anstatt von Freunden und Verwandten oder reiche Nachbarn auch arme und Menschen am Rande einzuladen, die keine Möglichkeit haben, ihm etwas im Gegenzug bieten zu können (vgl. Lk 14,13-14), so dass sein Geschenk wirklich selbstlos sei. Die eigentliche Belohnung wird in der Tat am Ende Gott sein, „der die Welt regiert" ... Wir bieten ihm nur in dem, was wir vermögen unseren Dienst an und tun dies solange Gott uns die Kraft gibt, dies zu tun". (Deus caritas est, 35).
Wieder einmal sehen wir Christus als Vorbild der Demut und der Selbstlosigkeit: Von ihm können wir lernen, Geduld in den Versuchungen zu haben und Sanftmut angesichts der Anfeindungen; Gehorsam gegenüber Gott im Schmerz. All das angesichts Dessen, der uns eingeladen hat und zu uns spricht: „Mein Freund, rück weiter hinauf!"(vgl. Lk 14.10), das wahre Gut ist in der Tat, die Nähe zu Ihm. Der hl. Ludwig IX, König von Frankreich - dessen Gedenken am Mittwoch gefeiert wurde, hat in die Praxis umgesetzt, was im Buch des Predigers Salomo geschrieben steht: "Je größer du bist, desto demütiger solltest du sein, damit du die Gnade des Herrn empfangen kannst." (Ecc 3,18). So schrieb er in seinem "Geistigen Testament an seinen Sohn" :"Wenn der Herr Dir Reichtum schenkt, musst Du ihm demütig danken und darauf achten, dass es Dir nicht zum Nachteil gereicht, aus Eitelkeit oder aus irgendeinem anderen Grund, denn die Gaben Gottes sollen nicht dazu führen, dass Du ihn beleidigst". (Acta Sanctorum Augusti 5 [1868 ], 546).
Liebe Freunde, heute erinnern wir uns auch an das Martyrium des Hl. Johannes des Täufers, dem größten der Propheten Christi, der sich selbst verleugnete, um Platz für den Retter zu machen und der für die Wahrheit starb. Bitten wir ihn und die Jungfrau Maria, uns auf dem Weg der Demut zu führen, um der göttlichen Belohnung würdig zu werden.
[Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:]
„Von Herzen grüße ich die deutschsprachigen Gäste, besonders die Pilger aus Neustift. Die Lesungen des heutigen Sonntags sprechen von der Demut. Christus rückt unsere irdischen Vorstellungen zurecht: Vor Gott zählt nicht das menschlich Große, sondern das Geringe, das Verachtete. Nicht die Selbstherrlichkeit macht den Menschen groß, sondern das Leben nach Gottes Willen und die Gemeinschaft mit ihm. Nehmen wir uns dabei die Heiligen zum Vorbild! Gottes Geist begleite euch!"
[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2010 - Libreria Editrice Vaticana]
















