ZG10083011 - 30.08.2010
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Frankreich: Kirche sieht Roma Abschiebung im Zeichen der Opfer des Nationalsozialismus


Das UNO-Komitee gegen Rassendiskriminierung (CERD) forderte Frankreich auf, Massenabschiebungen zu vermeiden


Von Angela Reddemann

ROM, 30. August 2010 (ZENIT.org).- Angesichts der Abschiebung von Menschen, die zu den Roma-Zigeunern gehören, hat der Erzbischof von Toulouse, Robert Le Gall, eine Parallele zwischen den Judendeportationen der französischen Vichy-Regierung während der französischen Besetzung durch Nazi-Deutschland gezogen.

Bei einer Diözesanwallfahrt nach Lourdes verlas er ein historisches Schreiben seines Amtsvorgängers Jules-Geraud Saliege von 1942, in dem dieser zum Schutz der Juden aufrief. "Die Roma sind unsere Brüder wie viele andere auch", sagte Bischof Le Gall dazu.

Das UNO-Komitee gegen Rassendiskriminierung (CERD) forderte Frankreich am vergangenen Freitag auf, kollektive Abschiebungen von Roma zu vermeiden. Die 18 Experten zeigten zwar Verständnis für Bedenken Frankreichs in Bezug auf die Sicherheit und illegale Einwanderung. Deshalb könnten aber noch lange nicht Menschen in Gruppen abgeschoben werden. Es müsse in jedem Fall individuell überprüft werden, ob die öffentliche Ordnung gefährdet sei oder ein krimineller Fall vorliege, sagte der für Frankreich zuständige CERD-Experte Pierre-Richard Prosper aus den USA vor den Medien in Genf.

Heute machte Frankreichs Premierminister François Fillon der katholischen Kirche schwere Vorwürfe. Es sei ein schwerer Fehler, die Abschiebungen und Räumungen illegaler Roma-Lager mit dem Umgang der Vichy-Regierung mit den Juden im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen, sagte Fillon im französischen Rundfunk. "Das ist ein Fehler mit Blick auf die Geschichte und mit Blick auf die jüdische Gemeinschaft", so Fillon.

Frankreich plant, bis Ende August insgesamt 700 Roma auszuweisen. Der Regierung gelten die Abgeschobenen als "freiwillige Rückkehrer": Sie zahlt ihnen als Starthilfe in Rumänien eine einmalige Hilfe von 300 Euro pro Erwachsenem und 100 Euro pro Kind.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso informierte Fillon telefonisch über die Bedenken der EU . Die Justizkommissarin der EU, Viviane Reding, hatte Frankreich vor einer Diskriminierung der Roma gewarnt und „eine politische und rechtliche Analyse" des französischen Vorgehens angekündigt. Diese will sie am kommenden Mittwoch der Kommission in Brüssel vorlegen.

Als vor fünf Jahren die insgesamt 49. Pilgerfahrt der Zigeuner nach Lourdes (Frankreich) zu Ende ging, gedachte man anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung aus dem KZ Auschwitz-Birkenau aller Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere der von den Nazis ermordeten Zigeuner. Dazu waren rund 7.000 Zigeuner am Sonntag, dem 21. August 2005, in 1.100 Wohnwagen nach Lourdes gekommen. Nach der Feier der Heiligen Messe legten sie in der Basilika des heiligen Papstes Pius X. vor dem Denkmal der Opfer des Zweiten Weltkrieges ein Blumenbouquet in Form eines "Z" nieder. Diesen Buchstaben hatten die nationalsozialistischen KZ-Aufseher den inhaftierten Zigeunern als Erkennungsmerkmal in den Arm gebrannt. Zehntausende von ihnen waren allein in Auschwitz umgekommen.

Bei ihrer Wallfahrt zum Gnadenbild der Jungfrau Maria in der Lourdes-Grotte beteten die Zigeuner außerdem für das Ende aller Diskriminierungen.

Das UNO-Komitee sprach in seinen Schlussfolgerungen angesichts der sozialen Situation in Frankreich von zunehmend rassistischen Politikerreden, Kundgebungen und Gewalttaten. Frankreichs Regierung müsse den Kampf gegen die Zunahme von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mit allen Mitteln intensivieren. Frankreich müsse in seinem Vorgehen die UNO-Konventionen achten. Auch sollen die Roma freien Zugang zu Bildung, Gesundheit und anderen Grundeinrichtungen des Landes haben.

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