ZG10083014 - 30.08.2010
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Wo Mutter Teresa ihren geistlichen Auftrag erhielt


Wallfahrtsort Letnica steht für Verständigung zwischen Religionen und Völkern


ROM, 30. August 2010 (ZENIT.org).- Der 100. Geburtstag Mutter Teresas in der vergangenen Woche ist auch in ihrer Heimat Mazedonien und Kosovo feierlich begangen worden. Eine Delegation der Paneuropa-Union aus Deutschland war auf Einladung der jeweiligen Regierungen dabei, im Rahmen einer Wallfahrt zu Ehren der Seligen. Der Kosovo-Berichterstatter der EVP, der stärksten Fraktion im EU-Parlament, der Europaabgeordnete Bernd Posselt (CSU), begleitete die Gruppe. Michaela Koller fragte den Parlamentarier nach seinen Eindrücken, der interkonfessionellen und interreligösen Verständigung und zur Situation der Christen im jungen, mehrheitlich muslimischen Staat Kosovo.

ZENIT: Welche Stätten haben Sie im Gedenken an Mutter Teresa besichtigt?

--Bernd Posselt: Wir haben drei Orte besucht, die mit Mutter Teresa im Zusammenhang stehen. Zunächst war dies Skopje, die Hauptstadt der Republik Mazedonien, wo sie geboren wurde, dann Pristina, die Hauptstadt der Republik Kosovo. Aus dem Kosovo stammt ihr Vater. In Pristina wird eine Mutter-Teresa-Kathedrale mitten in der Stadt neben der Nationalbibliothek errichtet, als größte katholische Kirche im muslimischen und orthodoxen Teil des Balkans. Der Bau geht auf die Initiative des verstorbenen, ersten Präsidenten Kosovos, Ibrahim Rugova, zurück, der Muslim war. Zum dritten haben wir Letnica besucht, einen Wallfahrtsort im Kosovo an der Grenze zu Mazedonien, wo Mutter Teresa ihren geistlichen Sendungsauftrag erhielt. Von dort aus ist sie in die Welt und schließlich nach Indien gegangen. Das war ihr spiritueller Geburtsort.

ZENIT: Wie sah Ihr Programm dann konkret aus?

--Bernd Posselt: In Skopje waren wir am Geburtstag selbst. Es war wirklich bemerkenswert, wie der mazedonische Staat diesen Geburtstag begangen hat. Mutter Teresa gehörte ja in doppelter Hinsicht einer Minderheit an. Zunächst als Katholikin: Die größte Religionsgemeinschaft in Mazedonien sind die Orthodoxen, die zweitgrößte sind die Muslime. Als katholische Christin gehörte sie der drittgrößten Glaubensgemeinschaft an, die aber dort sehr klein ist. Sie gehörte zugleich zum zweitgrößten Volk dort; nach den Slawo-Mazedoniern sind dies die Albaner. Aber sie war eine so große Persönlichkeit, eine Verkörperung der Liebe Gottes, dass sie die Grenzen zwischen den Nationen und den Religionen sprengt. Das hat man an der Art und Weise, wie das in Skopje begangen wurde, bemerkt. Das war nicht eine Pflichtübung, sondern es war schon etwas ganz Besonderes.

Es begann damit, dass wir gemeinsam mit dem Staatspräsidenten, der Regierung, dem Parlament, Vertretern aller Parteien und Volksgruppen, darunter auch der Roma, an dem großen Mutter-Teresa-Monument in der Innenstadt von Skopje Kränze nieder gelegt haben. Wir haben das neu gebaute Mutter-Teresa-Haus mit seiner Kirche besichtigt. Wir waren Zeugen eines Staatsaktes im mazedonischen Parlament zu Ehren der Seligen, an dem auch das diplomatische Corps sowie der Staatspräsident teilnahmen. Am Abend haben dann die katholischen Bischöfe von Belgrad und Skopje einen großartigen Festgottesdienst zelebriert, den die Diplomaten auch besucht haben, darunter der amerikanische Botschafter und die deutsche Botschafterin. Das war schon ein sehr würdiges Gedenken für diese große europäische Heilige.

ZENIT: Wie sahen denn die Feierlichkeiten auf kosovarischer Seite aus?

--Bernd Posselt: Im Kosovo wurde unsere Delegation vom Außenminister und anderen Regierungsmitgliedern empfangen, die zu Ehren Mutter Teresas mit uns zusammen trafen. Dann sind wir unter der Leitung des Bischofs von Prizren, Dode Gjergji, nach Letnica gefahren, nachdem wir in Pristina die neue Mutter-Teresa-Kathedrale besichtigt hatten. Der Rohbau der Kirche im neo-romanischen Stil steht schon. In diesem Herbst, wenn weitere Feierlichkeiten zu Ehren Mutter Teresas stattfinden, soll sie erstmals genutzt werden. Obwohl dort die Muslime die stärkste Glaubensgemeinschaft sind, gefolgt von den serbisch-orthodoxen Christen, und die Katholiken erst an dritter Stelle folgen, erregt die Errichtung keinen Anstoß.

In Letnica dann sahen wir einen der landschaftlich schönsten Orte des Balkan - und einen lange vergessenen Wallfahrtsort. Im Mittelalter wurde der Ort von kroatischen Bergleuten errichtet, die aus Dubrovnik gekommen waren, um dort Erze zu fördern. Einige ihrer Nachkommen leben noch dort und sprechen ein sehr altes Kroatisch. Am Ende des Tales steht eine Wallfahrtskirche zu Ehren der Muttergottes, die alles überragt, und wo Mutter Teresa mit ihrer Familie wiederholt hinpilgerte. Dort haben wir eine heilige Messe in Albanisch und in Deutsch gefeiert. Lange Zeit während des Osmanischen Reiches war dies die einzige christliche Kirche zwischen Skopje und Montenegro, also in einem riesigen Umkreis. Es ist interessant, dass dorthin jeweils am 15. August Wallfahrten stattfinden, nicht nur von Katholiken, sondern auch von Orthodoxen und auch von Muslimen, die ja Maria sehr verehren. Die Muslime dort sind oft auch krypto-christlich, weil ihre Vorfahren zwangsislamisiert wurden, und pflegen sehr stark eine innere Bindung an Maria.

ZENIT: Kann man also sagen, dass diese Wallfahrtsstätte die Begegnung der Religionen und Konfessionen fördert?

--Bernd Posselt: Ja, es fördert die Verständigung. Mich hat im übrigen sehr beeindruckt, wie Bischof Gjergji auf meine Frage, wo denn die meisten Katholiken in der Gegend lebten, antwortete: 'In der Geschichte und in der Zukunft.' Dieser Mann weiß, dass gerade in einem Land, in dem der Atheismus sehr gewütet hat, die Menschen sehr suchend sind. Die Religionen leben dort im Großen und Ganzen gut zusammen. Es gibt nur wenig Islamismus dort, der von außen hereingetragen wird. Die Spannungen zwischen Serben und Albanern hatten keine religiösen Ursachen, sondern hingen mit der Unterdrückung der Albaner durch das Milosevic-Regime zusammen. Übergriffe auf serbisch-orthodoxe Gotteshäuser gab es nur, als diese zu Symbolen der Nation gemacht wurden und nicht zu Symbolen des Christentums. Die Situation entspannt sich zunehmend.

ZENIT: Der Streit um den Schutz serbisch-orthodoxer Klöster im Kosovo ist ja immer noch nicht beigelegt. Was haben Sie davon bei Ihrer Reise mitbekommen?

--Bernd Posselt: Es sind ja nach wie vor internationale Truppen im Kosovo. Aber auf der anderen Seite haben sie den täglichen Schutz der gut ausgebildeten Kosovo-Polizei übertragen, die das in vorbildlicher Weise durchführt. Ich habe mir das selbst angesehen. Ich kenne als Kosovo-Berichterstatter das Land sehr gut und war schon mehrfach da.

Auch integrieren sich die Serben im Kosovo mittlerweile immer besser. Der oberste Repräsentant der EU dort, Pieter Feith, berichtete mir, dass sich von den sechs Prozent Serben rund 60 Prozent auf der Grundlage der in der kosovarischen Verfassung garantierten Minderheitenrechte sehr gut integrierten. Probleme gibt es eigentlich nur im Norden des Landes an der Grenze zu Serbien. Dort stehen aber nicht die Klöster. Dort, wo die Klöster sind, da beteiligen sich die Serben am neuen Staat. Im Norden gibt es aber die Rohstoffe, etwa die Minen von Trepca. Und die will Serbien haben und instrumentalisiert dafür Teile der dortigen serbischen Minderheit.

ZENIT: Welche Rolle spielt denn der neue serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej, der Anfang dieses Jahres gewählt wurde?

--Bernd Posselt: Ich glaube, dass er bestrebt ist, die serbisch-orthodoxe Kirche zu öffnen. Die serbisch-orthodoxe Kirche hat mehrere Flügel und der jetzige Patriarch ist ein Mann des Ausgleichs und der Öffnung. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, Papst Benedikt XVI. nach Serbien einzuladen. Er möchte 2013 in Niš, wo er vorher Bischof war, mit anderen Konfessionen und Religionen des 1.700-jährigen Jubiläums des Mailänder Ediktes zwischen Kaiser Licinius und Kaiser Konstantin gedenken. Niš ist der Geburtsort Kaiser Konstantins. Das wäre ein historisches Ereignis für ganz Europa und würde die Öffnung Serbiens dokumentieren. Auch zu seiner formellen Amtseinführung Anfang Oktober plant er, sehr breit einzuladen, aus Europa, aus anderen Religionsgemeinschaften.

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