BRÜSSEL, 1. September 2010 (ZENIT.org).- Die Kirchen Europas haben sich jetzt erneut mit einem Appel zum Schutz des menschlichen Lebens an die EU gewandt. Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) befürwortet die Zielrichtung einer neuen Richtlinie der EU, den Tierschutz zu verbessern.
Allerdings betont die COMECE die grundlegend unterschiedliche Würde von Tieren und Menschen. Alternativen für Tierversuche können Versuche auf der Basis von humanen embryonalen Stammzellen beinhalten. Gemäß einer EU-Richtlinie könnten solche umstrittenen Versuche für Mitgliedstaaten verpflichtend werden.
Am 8. September 2010 wird das Plenum des Europäischen Parlaments in zweiter Lesung über folgenden Richtlinienentwurf „zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere" diskutieren und abstimmen (COD/2008/0211).
Tierversuche werden in der Forschung durchgeführt für die Entwicklung von Medikamenten, sowie für die Einschätzung der chemischen Toxizität, Ecotoxikologie und Sicherheit von Produkten (Pestizide, Lebensmittelzusatzstoffe, Kosmetika und andere Substanzen mit potenziellen Risiken für die menschliche Gesundheit).
Eines der Ziele der Richtlinie ist es, Tierversuche durch alternative Testversuche zu ersetzen. Einige dieser Alternativen könnten allerdings die Nutzung von humanen embryonalen Stammzellen (heSZ) beinhalten, die ursprünglich durch die Zerstörung menschlicher Embryonen gewonnen werden.
Tatsächlich ist COMECE äußerst besorgt über eine Vorschrift in dem Richtlinienentwurf wonach Mitgliedsstaaten verpflichtet werden könnten sicherzustellen, daß solche alternativen Methoden angewendet werden, unabhängig davon, ob diese auf heSZ beruhen oder nicht.
[Artikel 4 Absatz 1 ‚Grundsatz der Vermeidung, Verminderung und Verbesserung': „Die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass, wo immer dies möglich ist, anstelle eines Verfahrens eine wissenschaftlich zufrieden stellende Methode oder Versuchsstrategie angewendet wird, bei der keine lebenden Tiere verwendet werden." ]
Ein Bericht der Europäischen Kommission („Alternative Testmethoden - Fortschrittsbericht 2009") nennt Beispiele für alternative Testmethoden, die gegenwärtig entwickelt werden. Unter 21 machen die folgenden 5 Strategien von humanen embryonalen Stammzellen (heSZ) Gebrauch:
- ReProtect: Diese Strategie zielt darauf ab, reproduktive Toxizitätstests zu entwickeln unter Nutzung von heSZ, die mit bestimmten Chemikalien behandelt werden während ihrer Herz- und neuronalen Differenzierung. -
VITROCELLOMICS: Diese Strategie beabsichtigt die Entwicklung von Medikamententests unter Nutzung von menschlichen in vitro Hepatitismodellen, die aus heSZ gewonnen werden.
- INVITROHEART: Hier geht es darum, daß in vitro Modelle entwickelt werden sollen, die aus heSZ gewonnen werden und die verläßlich menschliche Herzmyocyten für Medikamententests abbilden sollen.
- ESNATS: Dieses Projekt fördert die Entwicklung einer Platform für neue Toxizitätstests, speziell basierend auf heSZ, um den Medikamentenentwicklungsprozeß und die Evaluierung von Medikamententoxizität in klinischen Studien zu beschleunigen.
- carcinoGENOMICS: Dieser Ansatz nutzt hepatocyte-ähnliche Zellen, die aus heSZ gewonnen werden, für die Entwicklung eines Tests zur Beurteilung bestimmter toxischer Eigenschaften.
Diese Technologien wurden von der EU unter dem 6. und 7. Forschungsrahmenprogramm finanziell unterstützt. Wie in früheren Stellungnahmen ruft die COMECE daher die Mitglieder des Europäischen Parlaments dazu auf, dafür Sorge zu tragen, daß alternative Testmethoden, welche auf der Basis von heSZ entwickelt werden, von den verpflichtenden Alternativen im Rahmen dieser Richtlinie ausgenommen werden. Dieser Ansatz könnte außerdem dazu beitragen, die zahlreichen alternativen Strategien zu fördern, welche unumstritten sind.
















