ZG10090202 - 02.09.2010
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Ruanda: Das Böse geschah in hundert Tagen


Wird die UNO den Völkermord von 800 000 Menschen in Ruanda offiziell anerkennen?


Von Angela Reddemann

ROM, 2. September 2010 (ZENIT.org).-Das Böse geschah in hundert Tagen: Hunderttausende Tutsis und politisch gemäßigte Hutus fielen 1994 in Ruanda einem der größten Völkermorde Afrikas zum Opfer. Tiefsitzender, gewaltbereiter Tribalismus führte dazu, dass Extremisten aus dem Stamm der Hutus kriegerische Angriffe lancierten, die zum grausamsten Genozid Afrikas führten.

Nach dem Attentat auf Präsident Habyarimana am 6. April 1994 begann am folgenden Tag eine anfangs gezielte Welle von Morden, ausgeführt von der Armee, der Präsidentengarde und den Milizen. Viele Menschen flüchteten sich in Kirchen und kirchliche Einrichtungen, konnten letztlich aber auch dort den Mördern nicht entkommen.

Tutsi-Soldaten ermordten drei katholische Bischöfe, nämlich Erzbischof Vincent Nsengiyumva von Kigali, Bischof Joseph Ruzindana von Byumba und Bischof Thaddée Nsengiyumva von Kabgayi. Auch 13 Priester wurden umgebracht.

Die Tatsache, das Tutsi-Truppen unter der militärischen Führung von Paul Kagame schließlich dieses Gewaltszenario unter ihre Kontrolle gebracht haben, wurde jetzt, nach seiner Wiederwahl als Präsident Ruandas in der Weltöffentlichkeit diskutiert.

Vor zwei Wochen erst hatten im August Mitglieder der ruandischen Hutu-Miliz FDLR über 150 Frauen im Gebiet Osten des Kongos tagelang bei einer Gewaltorgie missbraucht. Und das, obwohl sich Blauhelmsoldaten der UN-Mission in unmittelbarer Umgebung befanden.

Jahrelang hatte die Weltöffentlichkeit auf die Veröffentlichung eines kritischen Berichts der UNO zu den Vorgängen in Ruanda gewartet. Vor allem, weil die UNO bisher das Gemetzel von rund 800.000 nicht offiziell als „Völkermord" anerkannt hat, wie es Papst Benedikt XVI. schon 2007 in seinem bewegenden Schreiben zum 14 Jahrestag dieses grauenvollen Ereignisses getan hatte. Der Papst schrieb damals: „Der christliche Glaube, der von der Mehrheit des ruandischen Volkes geteilt wird, stellt, wenn er konsequent und voll gelebt wird, eine wirksame Hilfe zur Überwindung einer Vergangenheit voller Irrtümer und Tod dar, deren Höhepunkt der Völkermord von 1994 war; gleichzeitig weckt dieser Glaube das Vertrauen in die Möglichkeit, die sich allen untereinander wieder versöhnten Einwohnern Ruandas bietet, nämlich gemeinsam eine bessere Zukunft aufzubauen, indem sie die Neuheit der Liebe wiederentdecken, die ‚die einzige Kraft ist, die die Person und die Gesellschaft zur Vollkommenheit und die Geschichte zum Guten führen kann'."(ZENIT berichtete)

Was Benedikt XVI. klar angesprochen hatte, stößt jetzt auf Abwehr. Die ruandische Armee kündigte an, ihre Blauhelmtruppen aus dem Sudan zurückzuziehen, sollten die Vereinten Nationen den kritischen Bericht zum Umgang mit der Volksgruppe der Hutu veröffentlichen. Ruanda stellt bei der Friedensmission in der westsudanesischen Krisenregion Darfur (UNAMID) mehr als 3200 Soldaten. „Laut vorab bekannt gewordenen Passagen rügt der 600 Seiten starke UN-Bericht die "systematische, methodische und vorsätzliche Weise der Angriffe" gegen die Hutu. Das Dossier soll kommenden Monat offiziell veröffentlicht werden", meldete jetzt die AFP.

Während die Opposition in Ruanda angesichts der 90 Prozent für Paul Kagame von massiver Einschüchterung vor der Wahl spricht und den Auftragsmord an zwei Spitzenpolitikern beklagt, wird Kagame ebenfalls Mitverantwortung am Völkermord zur Last gelegt. Bei der Verfolgung der ins Nachbarland Kongo geflohenen Hutu-Milizen und Zivilisten sollen Kagames Truppen und verbündete Kongolesen Zehntausende systematisch und gezielt ermordet haben.

Ruanda liegt im Zentrum Afrikas ohne Zugang zum Meer. Es hat eine Fläche von 26.228 Quadratkilometern und 9,7 Millionen Einwohner. In Ruanda leben derzeit 4.508.000 Katholiken. Es gibt 9 Diözesen mit 155 Pfarreien, 10 Bischöfe, 462 Weltpriester, 143 Ordenspriester, 203 Laienbrüder, 1.523 Ordensschwestern und 462 Katechisten Ruanda grenzt an Uganda, Tansania, Burundi und die Demokratische Republik Kongo. Amtssprachen sind Kinyarwanda, Französisch und Englisch.

Die Berichterstattung zum 10. Jahrestages des Völkermordes in Ruanda hatte ebenfalls erneut die Frage aufgeworfen, warum weder die Vereinten Nationen, noch andere Staaten intervenierten, um dem unvorstellbar grausame Gemetzel und Abschlachten von mindestens 800.000 Menschen ein Ende zu bereiten.

Die Vereinten Nationen gründeten zwar ein Internationales Strafgericht mit Sitz in Arusha (Tansania), vor dem die Verantwortlichen des Völkermords zur Rechenschaft gezogen werden.

Nach der Machtübernahme der FPR wurde schließlich auch die Aufteilung der Bevölkerung in Angehörige der verschiedenen Volksstämme (Hutu, Tutsi und Twa) offiziell abgeschafft.

Am 16. Dezember 2000 wurde in New York der Bericht einer UN internen Kommission vorgestellt, die das Verhalten des Staatenbundes im Fall Ruanda untersuchen sollte. Das Gremium kam zu einem vernichtenden Urteil: Hinweise auf den geplanten Völkermord seien ignoriert und, als das Morden im Gange war, ein Eingreifen absichtlich verweigert worden. Die Mitglieder des Sicherheitsrates seien nicht bereit gewesen, eine schlagkräftige Friedenstruppe aufzustellen. UN-Generalsekretär Annan erklärte, er gebe das Versagen der UNO zu und bereue es zutiefst.

Im 19. Jahrhundert herrschte im Land zunächst eine Monarchie, später wurde es im Jahr 1898 deutsche Kolonie. Nach dem ersten Weltkrieg erhielt Belgien das Verwaltungsmandat für Ruanda und das damalige Urundi (heute Burundi). 1962 wurde das Land unabhängig.

Gregoire Kayibanda, der erste Präsident des Landes wurde 1973 von General Juvenal Habyarimana gestürzt. 1990 griffen in Uganda im Exil lebende Tutsi, die sich in der Ruandischen Patriotischen Front (RPR) zusammengeschlossen hatten, Ruanda an der gemeinsamen Grenze an. Damit begann ein Bürgerkrieg. Anfang 1994 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet, das die Aufteilung der Macht unter den beteiligten Parteien vorsah.

Am 6. April 1994 wurde Habyarimana zusammen mit dem burundischen Präsidenten Cyprien Ntaryamira bei einem Angriff auf das Flugzeug des ruandischen Präsidenten beim Landeanflug auf Kigali ermordet. Wer für das Attentat verantwortlich war bleibt bis heute ungeklärt doch es war Auslöser eines Völkermordes, den der extremistische Flügel des Habyarimana-Regimes durchführte.

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