ZG10090606 - 06.09.2010
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Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Weltjugendtag 2011 (Teil 2)


Die Begegnung mit Christus bringt das Leben in Schwung


ROM, 6. September 2010 (ZENIT.org).- Der Vatikan hat am Freitag die Botschaft zum Weltjugendtag 2011 veröffentlicht, der in Madrid unter dem Motto „Verwurzelt in Christus und gegründet auf ihm, fest im Glauben" (vgl. Kol 2,7) stattfinden wird. Papst Benedikt XVI. hat die Endfassung am 6. August, dem Fest der Verklärung des Herrn vollendet.

Im ersten Teil des Botschaft, die wir am Freitag veröffentlicht haben, lädt der Papst alle Jugendlichen zu diesem Fest der Geschwisterlichkeit ein - gleich ob Gläubiger, Zweifeler oder Atheist.

Im zweiten Teil ermuntert der Papst die jungen Leute: „Liebe Freunde, baut euer eigenes Haus auf Felsen, wie der Mann, der 'tief gegraben ha'. Versucht jeden Tag, dem Wort Christi zu folgen. Hört auf ihn als einen wahren Freund, mit dem Ihr Euren Lebensweg teilen könnt. Mit ihm an Eurer Seite finde Ihr Mut und Hoffnung, wenn Ihr mit Schwierigkeiten und Problemen konfrontiert werdet. So könnt ihr auch Enttäuschungen und Rückschläge überwinden".

Wir veröffentlichen heute den zweiten Teil des Schreibens in einer eigenen Übersetzung.

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Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Weltjugendtag 2011 (Teil 2)

2. Verwurzelt in Christus und gegründet auf Ihn


Um die Bedeutung des Glaubens im Leben der Gläubigen zu betonen, möchte ich mich mit jedem der drei Begriffe beschäftigen, die der hl. Paulus verwendet:„Verwurzelt in Christus und gegründet auf ihm, fest im Glauben" (vgl. Kol 2,7) . Wir können drei Bilder unterscheiden: "gepflanzt", das lässt an einen Baum und die Wurzeln denken, die ihn nähren; "gegründet" bezieht sich auf den Bau eines Hauses, "fest" zeigt das Wachstum in physischer oder moralischer Stärke an. Diese Bilder sind sehr beredt. Bevor ich auf sie Bezug nehme, möchte ich darauf hinweisen, dass in grammatikalischer Hinsicht alle drei Begriffe im ursprünglichen Text im Passiv stehen. Dies bedeutet, dass es Christus selbst ist, der die Initiative übernimmt, die Gläubigen zu verwurzeln, aufzubauen und zu festigen.

Das erste Bild, ist das eines Baumes, der dank seiner Wurzeln fest eingepflanzt ist, und so aufrecht steht und ihm Nahrung geben. Ohne diese Wurzeln, würde er vom Wind weggeweht werden und sterben. Was sind unsere Wurzeln? Selbstverständlich sind unsere Eltern, unsere Familien und die Kultur unseres Heimatlandes sehr wichtige Elemente unserer persönlichen Identität. Doch die Bibel offenbart ein weiteres Element. Der Prophet Jeremia schrieb: "Gesegnet aber ist, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte" (Jer 17,7-8). Wurzeln zu haben bedeutet für den Propheten, sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Von ihm erhalten wir unser Leben. Ohne ihn können wir nicht wirklich leben. "Gott gab uns das ewige Leben, und dieses Leben ist in seinem Sohn" (1 Joh 5,11). Jesus selbst sagt uns, dass er unser Leben ist (vgl. Joh 14,6).

Folglich ist der christliche Glaube nicht nur eine Frage der Annahme, dass bestimmte Dinge wahr sind, sondern vor allem eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus. Es ist eine Begegnung mit dem Sohn Gottes, der dem Ganzen unserer Existenz einen neuen Schwung schenkt. Wenn wir eine persönliche Beziehung mit ihm pflegen, offenbart uns Christus unsere wahre Identität; in der Freundschaft mit ihm, wächst unser Leben hin zu seiner vollständigen Erfüllung. Wenn wir jung sind, gibt es einen Moment, an dem sich jeder von uns fragt: Welchen Sinn kann mein Leben haben? Welche Aufgabe und Richtung sollte ich anpeilen? Dies ist ein sehr wichtiger Moment, und er kann uns vielleicht für einige Zeit Kopfzerbrechen bereiten. Wir beginnen uns zu fragen, welche Arbeit für uns passen könnte, welche Form von Beziehungen wir aufbauen sollten, welche Freundschaften gepflegt werden sollten ... An dieser Stelle denke ich noch einmal an meine eigene Jugend zurück. Ich war mir irgendwie schon sehr früh bewusst, dass der Herr mich zu einem Priester werden lassen wollte. Dann später, nach dem Krieg, als ich endlich im Seminar war und mich an der Universität auf dem Weg zu diesem Ziel befand, musste ich mir diese Gewissheit zurückerobern. Ich habe mich gefragt: Ist das wirklich mein Weg? Ist das wirklich der Wille Gottes für mich? Vermag ich ihm wirklich treu zu bleiben und völlig ihm zu Verfügung zu stehen, in seinem Dienst? Eine Entscheidung, wie diese fordert auch einen bestimmten Kampf. Es kann nicht anders sein. Aber dann kam die Gewissheit: Das ist das Richtige! Ja, der Herr will mich und er gibt mir Kraft. Wenn ich auf ihn höre und mit ihm vereint bin, vermag ich wirklich ich selbst zu werden. Was zählt, ist nicht die Erfüllung meiner Wünsche, sondern sein Wille. Auf diese Weise wird das Leben authentisch.

So wie die Wurzeln einen Baumes fest im Boden gepflanzt halten, schenken die Fundamente eines Hauses ihm lang anhaltende Stabilität. Durch den Glauben sind wir auf Jesus Christus (vgl. Kol 2, 07) gegründet, so wie ein Haus auf sein Fundament. In der Heilsgeschichte gibt es viele Beispiele von Heiligen, die ihr Leben auf das Wort Gottes gegründet haben. Der erste ist Abraham, unser Vater im Glauben, der Gott gehorchte, als er ihn darum gebeten hatte, seine angestammte Heimat zu verlassen und sich auf den Weg in ein unbekanntes Land zu machen. "Abraham hat Gott geglaubt, und es wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt" (Jak 2,23). Auf Jesus Christus gegründet sein, bedeutet, auf den Ruf Gottes konkret zu antworten, sein Vertrauen auf ihn zu setzen und sein Wort in die Praxis umzusetzen. Jesus selbst tadelte seine Jünger: "Warum nennst du mich 'Herr, Herr ', und tust nicht, was ich dir sage?" (Lk 6, 46). Und mit Bezug auf das Bild vom Hausbau erklärte er: „Ich will euch zeigen, wem ein Mensch gleicht, der zu mir kommt und meine Worte hört und danach handelt. Er ist wie ein Mann, der ein Haus baute und dabei die Erde tief aushob und das Fundament auf einen Felsen stellte. Als nun ein Hochwasser kam und die Flutwelle gegen das Haus prallte, konnte sie es nicht erschüttern, weil es gut gebaut war" (Lk 6,47-48).

Liebe Freunde, baut Euer eigenes Haus auf Felsen, wie der Mann, der "tief gegraben hat". Versucht jeden Tag, dem Wort Christi zu folgen. Hört auf Ihn als einen wahren Freund, mit dem Ihr Euren Lebensweg teilen könnt. Mit Ihm an Eurer Seite finde Ihr Mut und Hoffnung, wenn Ihr mit Schwierigkeiten und Problemen konfrontiert werdet. So könnt ihr auch Enttäuschungen und Rückschläge überwinden. Ständig werden Euch leichtere Entscheidungen angeboten werden, aber Ihr selbst werdet schon merken, dass diese letztlich trügerisch sind und keine Gelassenheit und Freude schenken. Nur das Wort Gottes kann uns den wahren Weg zeigen und nur der Glaube, den wir erhalten haben, ist das Licht, das auf unserem Weg leuchtet. Seid dankbar für diese geistlichen Gaben, die Ihr von Euren Familien erhalten habt. Strebt danach, verantwortungsbewusst auf den Ruf Gottes zu antworten und im Glauben zu wachsen. Glaubt nicht denen, die Euch sagen, dass Ihr die anderen nicht braucht, um Eurer Leben zu gestalten! Sucht Euch Unterstützung im Glauben bei denen, die Ihr schätzt und im Glauben der Kirche. Dankt dem Herrn, dass Ihr ihn geschenkt bekommen habt und dass er Euch zu eigen geworden ist!

3. Fest im Glauben

Der Brief, aus dem diese Worte entnommen wurden, ist vom hl. Paulus geschrieben worden, um auf ein bestimmtes Anliegen der Christen in der Stadt Kolossae zu reagieren. Diese Gemeinschaft wurde durch den Einfluss von bestimmten kulturellen Trends bedroht, so dass die Gläubigen vom Evangelium abkamen. Unser eigener kultureller Kontext, liebe Jugendliche, ist nicht anders als jener der alten Kolosser.

Tatsächlich ist in dem kulturellen Kontext, in dem wir heute leben eine extrem säkularistische Denkströmung weit verbreitet, die Gott aus dem Leben der Menschen und der Gesellschaft ausschließen möchte und so versucht ein „Paradies" ohne ihn zu schaffen. Doch die Erfahrung lehrt uns, dass eine Welt ohne Gott zur „Hölle" wird: Es herrschen Egoismus und Spaltungen in den Familien, Hassgefühle zwischen Menschen und Völkern, Mangel an Liebe, Freude und Hoffnung vor. Im Gegenteil, dort wo Menschen und Völker die Präsenz Gottes annehmen, ihn in der Wahrheit anbeten und seine Stimme hören, dort wird ein Kultur der Liebe konkret aufgebaut, in der die Würde eines jeden respektiert wird und die Gemeinschaft wächst, mit den Früchten, die dies mit sich bringt.

Doch einige Christen lassen sich vom Säkularismus verführen oder werden angezogen von religiösen Strömungen, die sie dem Glauben an Jesus Christus weit entfernen. Es gibt andere, die zwar nicht diesen Verlockungen nachgeben, aber ihr Glaube ist erkaltet, mit unvermeidlichen negativen Auswirkungen auf ihr moralisches Leben.

[Übersetzung des Italienischen Original von Angela Reddemann. Der dritte Teil erscheint am Dienstag, den 7. September]

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