CUIRTIBA, BRASILIEN, 6. September 2010 (ZENIT.org).- Der brasilianische Arzt Nelson Arns Neumann ist seit einem halben Jahr internationaler Koordinator der weltweit tätigen Organisation Pastoral da Criança, die seine Mutter, Zilda Arns, aufgebaut hat. Als sie am 12. Januar dieses Jahres beim Erdbeben in Haiti ums Leben kam, gehörte sie zu den international bekanntesten Vorbildern für ein soziales Engagement auf der Grundlage des Evangeliums. Michaela Koller sprach mit ihrem Sohn und Amtsnachfolger über die aktuelle Situation und seine Empfehlungen für den Wiederaufbau Haitis.
ZENIT: Zilda Arns Neumann, Ihre Mutter, hat sicher eine große Lücke hinterlassen in Ihrer Familie sowie in der Organisation der Pastoral da Criança (Kinderpastoral). Woher nehmen Sie die Kraft, in dieser Situation durchzuhalten?
--Nelson Arns Neumann: Zilda Arns Neumann strahlte die Frohe Botschaft Jesu aus. Diese Frohe Botschaft, umgewandelt in konkrete Aktionen, ist Licht und Hoffnung für tausend Personen, und Motivation für unsere Familie und für alle, die gerufen sind die Arbeit, die meine Mutter anfing, fortzusetzen. Die Fähigkeit, Leben zu retten, wie es in den Aktionen der Pastoral geschieht, gibt uns Kraft und Mut in diesem Moment.
ZENIT: Sie sind ihrer Mutter im Amt als internationaler Koordenator der Pastoral da Criança gefolgt. Wie war Ihre Vorbereitung für diese plötzliche Nachfolge?
--Nelson Arns Neumann: Ich habe die Gründung der Pastoral da Criança als Medizinstudent miterlebt. Im Anschluss an das Studium, 1988/ 1989, arbeitete ich als Missions-Arzt im Nordosten von Brasilien, mit einem Team der deutschen Franziskaner. 1990 fehlte es an Arbeitskräften in der Nationalen Koordination, und der Bischof Dom Geraldo Majella Agnelo, verantwortlicher Bischof für die Pastoral da Criança, bat mich zurückzukehren. Só arbeite ich 20 Jahre lang als nationaler Vize-Koordenator der Pastoral da Criança.
Die Jahre 2008 und 2009 waren besonders wichtig für die Pastoral da Criança International. Da hatte ich die Freude, aktiv teilzunehmen an einigen Eroberungen, auf Bitten von Zilda Arns. 2008 wurde die Pastoral da Criança International als Rechtsform offiziell gegründet, mit dem juridischem Sitz in Uruguay. Das Buch "Guia do Lider", zentrales Erziehungsmaterial für die Pastoral da Criança, wurde ins Spanische übersetzt und für Latein-Amerika angepasst. Der Bischöflicher Rat Latein-Amerikas (CELAM) unterstützte die Ausbreitung der Pastoral da Criança International strategisch.
Die brasilianische Regierung, konkret das Außenministerium, sicherte vertraglich zu, die Reisen der brasilianischen Fachkräfte in andere Ländern zu unterstützen. Diese Aktivitäten vermittelten mir nicht nur die Kenntnisse der Pastoral da Criança International, sondern gaben mir auch die Gelegenheit, die Träume Dr. Zildas für die Zukunft zu erkennen.
ZENIT: Könnten Sie mir bitte einen Überblick über das aktuelle Netzwerk der Pastoral da Criança, in Brasilien und in anderen Ländern, geben.
--Nelson Arns Neumann: Der Weg der Pastoral da Criança wurde begleitet von Hoffnungsgeschichten, Eroberungen, Überwinden von Schwierigkeiten und gesellschaftlichen Umbrüchen. Ausser in Brasilien hat die Pastoral da Criança in in 19 anderen Ländern: in Afrika Angola, Guinea, Guinea-Bissau und Mosambik; in Asien: Philippinen und Osttimor; in Lateinamerika: Argentinien, Bolivien, Kolumbien, Guatemala, Haiti, Honduras, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru, Dominikanische Republik, Uruguay und Venezuela. Wie Sie wissen, ist Pastoral da Criança gegenwärtig in allen Staaten Brasiliens präsent. Doch hat sich manches geändert durch das Beispiel und den Tod von Dr. Zilda. Vor einigen Tagen sagte uns eine Koordenatorin der PdC von Joinville, im Staat Santa Catarina: "Vorher suchten wir die armen Mütter auf, um am Programm der Pastoral teilzunehmen. Jetzt suchen sie uns auf. Viele sehen jetzt ein, dass sie helfen müssen, das Leben und die Hoffnung der Armen zu retten."
Was meine Arbeit in der Internationalen Pastoral da Criança betrifft: Ich besuchte im Februar dieses Jahres die Pastoral de La Primera Infancia in Kolumbien, wo diese Aktivitäten im Jahr 2001 begannen. Diese dehnen sich jetzt aus in 365 Gemeinden. Im Jahr 2009 wurden monatlich durchschnittlich 712 Schwangere und 17.313 arme Kinder unter sechs Jahren begleitet. Es sind insgesamt 1.521 Freiwillige, die monatlich an die 13.200 Familien besuchen.
Im Juli besuchte ich auch die Pastoral de La Primera Infancia in Guatemala. Dort lernte ich die Arbeit der Pastoral kennen, die sich seit 2005 dort entwickelt. So konnte ich die Realität des Landes kennenlernen, und zusammen planten wir für die Zukunft.
Für Oktober ist ein Besuch in Afrika, in Angola, vorgesehen. Dort begann meine Mutter die Arbeit im Jahr 1996. Sie selbst unternahm die Schulung der ersten Freiwilligen der PdC dort. In den Jahren 2002 und 2008 besuchte sie erneut Angola. Auf meiner Reise möchte ich die Realität des Landes kennen lernen, und mit Gemeindevertretern Kontakt aufnehmen, um die Arbeit der Pastoral da Criança zu stärken.
ZENIT: Hat die Pastoral da Criança sich schon in Haiti ausgedehnt? Wie sind die Verhältnisse jetzt dort?
--Nelson Arns Neumann: Am 18 und 19. August vorigen Jahres bereits reiste eine Gruppe von acht Ordensleuten in die Dominikanische Republik, um die Arbeit der Pastoral da Criança zu sehen, die sich dort unter dem Koodenator des dortigen Landes, dem Priester José Navarro, gut entwickelt. Der darauffolgende Besuch von Dr. Zilda in Haiti, im Januar 2010, sollte die erste Aktion sein, um die Aktivitäten im Nachbarland Haiti wirklich anzufangen. Dieser Kontakt geschah mit den Repräsentanten der Konferenz von Angehörigen von Orden und Instituten geweihten Lebens der Karibik und führenden Religiosen Haitis, die dort beim Vortrag von Dr. Zilda versammelt waren, am Nachmittag des Erdbebens. Nach dem Erbeben wurde die Strategie, die Arbeit anzufangen, angesichts der neuen Realität geändert.
Um die von Dr. Zilda begonnene Mission fortzusetzen, schlug Bischof Dom Chibly Langlois vor, vom 23. Juni bis zum 23. Juli dieses Jahres eine Gruppe von 16 Freiwilligen samt dem Diözesan-Koordinator, Pater Jean Batiste Rochenel, auszubilden. Die Entwicklungsagentur des brasilianischen Aussenministeriums half ebenso dabei wie zwei Multiplikatoren der "Pastoral Materno Infantil" aus der Dominikanischen Republik.
ZENIT: Haiti war schon vor der Katastrophe in Januar sehr arm. Was schlagen Sie als Koordinator einer großen, internationalen NGO für den Wiederaufbau dieses Landes vor?
--Nelson Arns Neumann: Eine Priorität wäre, die Qualität des Wassers zu verbessern. Darüber hinaus benötigt das Land gute Schulen und Kulturförderung. Die Krankheiten sind zahllos, weil das Wasser nicht behandelt wird. Daher wäre es wichtig, Chlortabletten billig zur Verfügung zu stellen, um Erkrankungen aufgrund verunreinigten Wassers zu verhüten. Beim Wiederaufbau müssen auch die geologischen Gegebenheiten künftig besser berücksichtigt werden, keine hohe Gebäude, um die tödliche Einsturzgefahr zu vermindern.
Der Hunger ist sehr gross in Haiti. Deshalb sollte die Internationale Gemeinschaft mobilisiert werden, um ihren technischen Beitrag zu leisten, die Erde fruchtbar zu machen. Zum Schluss möchte ich noch sagten, dass allen voran Haiti, aber auch alle anderen Länder, in denen die Pastoral da Criança arbeitet, und noch viele andere die Hilfe und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft benötigen. Wir sind eine Gemeinschaft, verantwortlich für das Wohl der Menschheit und der Schöpfung. Nur die Solidarität kann uns retten.
















